Neulich im Sauerland: Tropfsteinhöhle open air

Die Runde des Wochenendes: Während sich ein Viertel der Covadonga-Staffel für Rad am Ring derzeit beim PeakBreak an monströsen Knochen- und Seelenbrechern wie Monte Zoncolan und Kronplatz schindet, wollte die restliche Besetzung dann wenigstens nicht ganz untätig sein und zumindest ein paar Höhenmeter sammeln. So versammelten sich also die Herren Henning („Dicker Mann auf dünnen Reifen“), Terörde („Barfuß auf dem Dixi-Klo“) und Sprehe am Samstagvormittag auf einem Schulparkplatzu in Eslohe, um mit Unterstützung von Christine und Thomas den Hochsauerlandklassiker null-zwölf unter die Räder zu nehmen. Blind und taub für alle Wettervorhersagen.

Die Erkenntnis des Wochenendes: Die Hoffnung, auf der 112er Runde ein gnädiges Wolkenloch erwischt zu haben, schwindet kurz nach K1. Ab Schmallenberg gehen die Schleusen richtig auf,  Strecke und Funktionswäsche werden geflutet. Die Socken fangen an zu schmatzen, die Armlinge wiegen bald zehn Mal so viel wie noch am Start, die Fernsicht wäre in einem Kellerverlies auch nicht minder imposant als vom Kahlen Asten, die Fingerkuppen werfen Falten wie nach mehrstündigem Badewannenaufenthalt  … Nun ja, eigentlich müsste man das alles ganz schön Scheiße finden. Tut man aber nicht. Im Gegenteil. Irgendwas muss dieses komische Rennradfahren besitzen.

Wie man seinem schönen Eintrag im Lee(t)zenritter-Blog entnehmen kann, findet das offenbar auch Ulf, obschon ihn neben den Wettergöttern auch noch die Defekthexe plagte: http://www.leetzenritter.de/archives/3583

Fotos is‘ nich wegen klammen Fingern …

Und bevor ich’s vergesse: Eine wunderbare RTF, der man fürs nächste Jahr eine angemessene Entschädigung mit perfektem Radfahrwetter und mindestens zehn Mal so vielen Teilnehmern wünscht.

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Lieber Eingeweide

Vier Uhr. Sagt der Wecker, der tagsüber Handy ist. Brautpaar und Gäste haben noch nicht genug. Zack-zack-bumm bollert es aus der Tiefe. We will rock you mit den Mitteln des synthetischen Dancefloor.

Halb sechs. Ein neuer Takt. Leises Trommeln hat eingesetzt und durchaus meditative Wirkung. Zumindest, solange meinem schlaftrunkenen Geist noch nicht bewusst ist, woher es stammt. Dann zucke ich schreckhaft zusammen. Denn es ist der Regen, der sanft ans Dachfenster klopft. Direkt über meinem Kopf. Ich erinnere mich. Der ungelenke Herr im Sakko, den ein landesweit zu empfangender Bildfunksender gestern Abend gegen die Konkurrenz von ­Klerus-, Casting- und Operetten-Shows auf Quotenfang schickte. Wie er sich im bösen Blick übte. Wie seine Rechte mit militärischem Ruckzuck hervorschnellte. Im nicht gerade treffsicheren Versuch, auf Zahlen zu weisen, die einen merklichen Temperatursturz verhießen. Und auf finsterstes Gewölk mit drei Schrägstrichen darunter. Regen mit Steherqualitäten. Ich will gar nicht erst daran denken. Das klappt ganz gut. Ich nicke noch mal ein.

Viertel nach sechs. Ich bin das nächste Mal wach. Dabei herrscht nun selige Ruh’ über Legnicas Wipfeln und Firsten. Das Trommeln hat aufgehört. Grund genug, sich noch mal genüsslich zu wälzen, im Kingsajz-Bett für Doppel- und Dreifachzentnerduette, und von einem Tag zu träumen mit kräftigem Rückenwind und transpirationstötenden Temperaturen. Dann fällt ein Blick, unvorsichtig wie er ist, auf das Dachfenster. Und das Herz rutscht im Nu ins Schaumstoffpolster. Die Aussicht auf den morgengrauenden Himmel über Legnica ist auf einmal blickdicht verhüllt. Was ja nicht schlimm wäre, wenn der neue Vorhang nicht verdächtig nach einer Schneedecke aussehen würde.

Plötzlich blickdicht verhüllt: die Aussicht aus dem Dachfenster in Legnica.

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„Wo ist denn dein Motor?“

Da das Protokoll der Friedensfahrt 1952 jeden Nachmittag ein Aschenbahn-Finish vor vollbesetzen Rängen vorsah, geriet meine Rad-Tour auf den Spuren von Täve & Co. in gewisser Weise auch zu einer Groundhopping-Tour. Ohne die Absicht und Möglichkeit, auch nur ein Spiel zu sehen, führte mich der Weg von Stadion zu Stadion-Baustelle – darunter auch Spielstätten der just zu Ende gegangenen EURO 2012. Zum Beispiel in Breslau, wo es allerdings nicht das neue Stadion Miejski war, das mich in seinen Bann zog …

Ortsschild Breslau. Die erste von letztlich gefühlten drei Dutzend im Stadtgebiet überquerten Brücken. Wie große, bereits in wirksame Anschlagwinkel gebrachte Fliegenklatschen lugen vier Flutlichtmasten über die Wipfel hinterm Treidelpfad. Das Stadion Olimpijski, auf dessen Aschenbahn einst manch Etappenfinale der Friedensfahrt ausgefochten wurde. Und das aus der Nahdistanz dann keineswegs an Ausstrahlung einbüßt. Wie eine schwachbrüstige, allzu fragile Persiflage auf die großen Lastenkräne der Baustellen von Warschau wirken sie nun, die vier Masten, von ihrem Fuße aus, der sich außerhalb der Stadionmauern in den Boden krallt. Wahrhaftig ein Ziegelmauerwerk ist dieses Stadion, ein ganzes Fort aus Backstein. Hier und da geben Gittertore aus spitzen Lanzen den Blick ins Innere frei. Auf die flachen Stehtraversen, der Unterrang ungeschützt in der Sonne, der Oberrang, gesäumt von hunderten Streichholzpfeilern, wie ein Separee im Dustern. Ehrfürchtig wandert das Auge hinauf zum hohen Uhrenturm, der ein wenig unentschlossen im Zentrum der Gegengeraden herumsteht. Weiterlesen

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