Keine Formalitäten: Rübermachen von Zgorzelec (PL) nach Görlitz (D)

Angekommen in Görlitz. Die Klamotten klamm, die Laune im Keller, zurück in deutschen Landen…

Der 4. Mai des Jahres 1952. Was für ein Moment. Was für eine Meldung. Der Erste in der DDR ist Bulgare. Milko Dimoff. Als Neunter dann rattert als erster Deutscher ein gewisser Gustav-Adolf Schur über die Oder-Neiße-Friedensgrenze in Form von Planken der Görlitzer Stadtbrücke. Im Sprachgebrauch, der sich offiziell verlautbaren lässt, heißt sie in diesen Jahren nur »Brücke der Freundschaft«, genau wie das Oder-Pendant weiter nördlich in Frankfurt, und für das besondere Ereignis hat man sie so hergerichtet, dass möglichst nichts an Schlagbäume erinnern mag. Durch große »Ehrentore« rollen die Friedensfahrer, zahllose Fahnen und weihnachtlich anmutendes Gezweig wehen im Wind, auf Bannern sind Losungen mit zackigen Begrüßungsworten in allen Sprachen zu lesen. Lediglich der Schotte Ian Steel, der eine Woche später diese V. Internationale Friedensfahrt gewinnen wird, hält sich nicht ans Drehbuch der Parade und fährt direkt auf der Brücke »platt«.

Der 3. Mai des Jahres 2011. Was für ein Moment. Was für eine Ernüchterung. Die Straßen nass, die Fassaden trist, der Himmel grau, die Laune ob der per Zug abgekürzten Friedensfahrt-Kilometer im Keller. Auch die Brücke selbst ist keine Visitenkarte, wirkt eher wie eine Dauerbaustelle im hintersten Winkel eines allmählich wrackgewordenen Gewerbegebiets, das seiner Revitalisierung noch harrt. Keine Blumen. Keine Formalitäten. Kein Mensch zu sehen. Eine Stele erinnert daran, dass inzwischen Johannes Paul II. als Namenspatron auserkoren wurde, die gewollte Nähe zwischen Polen und Deutschen zu verkörpern. Regt sich da kein Protestantismus? Weiterlesen