The German Master in den französischen Alpen

Eine Woche noch, bis endlich der Sporthöhepunkt des Jahres beginnt. Höchste Zeit also, Landkarten und Streckenprofile zu studieren, das Zelt durchzulüften und die Packliste fürs Wohnmobil zu schreiben. Andreas Beune über das Erlebnis, die Tour de France aus der ersten Reihe zu sehen.

Das Vorprogramm: Helden aus Pappmaché.

Um Frankreich zu verstehen, muss man nur über die Schweiz in das Land einreisen.

In der Schweiz lernen Kinder schon früh das Steuerschlupflöchern und das Raushalten aus Konflikten. Die Wirtschaft floriert, deswegen gibt es in der Schweiz gepflegte Autobahnen und Chocoladenconfisseure. Hinter der Grenze liegt eine andere Welt mit schiefen Häusern, kaugummiverklebten Straßen, mit Bäckereien und Gaststätten im Übermaß. Mit anderen Worten: Die einen können mit Geld umgehen, die anderen mit dem Leben. C‘est la vie.

Bei der Tour de France feiert sich Frankreich selbst. Egal wo die Karawane langzieht, gibt es Stadt- und Dorffeste sowie Egalité, Fraternité, Liberté toujours. Den Franzosen ist es dabei weniger wichtig, wer die Tour gewinnt. Mögen die Sieger der Rundfahrt Kälbermastmittel zum Frühstück inhalieren – wer am Straßenrand steht, kriegt im Vergleich zum gut informierten TV-Zuschauer sowieso kaum etwas mit. Viel wichtiger ist, dass der zum Betrachten des Spektakels geöffnete Rotwein nicht korkt. Weiterlesen

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Das sind Bilder, die nur der Radsport schreibt

Auf der Covadonga-Website gibt es bereits seit Anbeginn aller Verlagstage eine kleine Suchmaschine für Radsportzitate. Jetzt wurden mal wieder knapp 70 neue Sprüche und Bonmots ergänzt. Unter anderem:

Immer dasselbe. Du denkst, da liegt eine blutende Karotte auf der Straße,
dabei ist es nur ein Euskaltel-Fahrer.
Matthew Lloyd

Spinning ist was für Friseure. Oder können Sie sich Sean Kelly
und Francesco Moser auf so ´nem Spinning-Rad vorstellen?
Brian Holm

Noch halb im Schlaf rieb ich mir die Müdigkeit aus den Augen
und sah das Gelbe Trikot über einer Stuhllehne hängen.
Mein erster Gedanke war: Was mache ich im Zimmer von Merckx?
Bernard Thevenet bei der Tour 1975

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Regenpause

Wer das Peloton der Profis noch immer für sehenswert hält und es im Fernsehen bestaunen will, muss sich inzwischen wieder gedulden und – auch wenn Saisonhöhepunkte im UCI-Kalender laufen – stundenlang andere Sportarten ertragen können. Einige schlimmer, andere etwas reizvoller.

Ganz furchtbar: das tumbe Treiben unter Vollvisierhelmen, das nicht nur deshalb zur Weißglut treibt, weil es traditionell die Fernsehzeiten zum Beispiel der Frühjahrsklassiker gern in perfider Manier einschränkt. Blödes Dauergedröhne der Motoren. Live-Bilder irgendwelcher fünftklassigen Rennserien, deren Ergebnisse noch weniger Chancen haben, Eingang in die Sportzeitungen einer durchschnittlichen deutschen Tageszeitung zu finden als sagen wir mal Degenkolbsche Erfolge bei der Picardie-Rundfahrt. Und dann auch noch (als völliges Kontrastprogramm zum TV-Oeuvre in Sachen Radsport) bis zum allerletzten Schampusspritzer übertragene Feierlichkeiten zu Ehren des Siegers, während sie andernorts zur gleichen Zeit schon mit Macht auf den Koppenberg oder die Côte de Stockeu drauflos stiefeln.

Schon deutlich erträglicher: Tennis, wie es derzeit aus Paris übertragen wird und das Critérium du Dauphiné als Aufzeichnung ins Abend- bis Nachtprogramm verdrängt. Weiterlesen

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