Sie waren alt und brauchten das Gel (Rad am Ring 2012 – Tag 1)

Ein Gastbeitrag von Ulf Henning

Liebe Daheimgebliebene und Dabeigewesene,

die 24 Stunden bei Rad am Ring waren wieder ein absolut unvergessliches Erlebnis, von dem ich gerne in aller Ausführlichkeit berichten würde. Aber ich bin leider körperlich immer noch nicht vollständig wiederhergestellt, seltsam leer im Kopf, in jeder Hinsicht todmüde und platt, und andererseits so übervoll von Eindrücken, Endorphinen und Glücksgefühlen, dass ich beim besten Willen nicht die richtigen Worte finde, dieses unfassbare Wochenende zu beschreiben. Deswegen hier nur ein paar langweilige Fotos, sowie die schnöde Niederschrift der Liveberichterstattung von Radio Nürburgring. Und die ist zu allem Überfluss auch noch lückenhaft, weil hin und wieder ein obskurer Sächsischer Piratensender dazwischenfunkte:

Freitag, 31. August 2012

„Ich begrüße Sie aufs Herzlichste, liebe Radsportfans! Es ist 16 Uhr, und Sie hören Radio Nürburgring, Fritz von Tut und Kannix am Mikrofon. Ich sitze hier in meiner Sprecherkabine im Tower an der Boxengasse. Normalerweise hätte ich von hier oben perfekte Sicht über das Heerlager der Radsportverrückten, das hier die Grand-Prix-Strecke säumt. Oder vielmehr säumen sollte und hoffentlich auch bald wird, aber was ist schon normal an der wohl schönsten und berühmtesten Rennstrecke der Welt, meine Damen und Herren?

Das Wetter ist es jedenfalls nicht. Es herrschen an diesem Freitagnachmittag, dem letzten Tag des meteorologischen Sommers, nahezu arktische Temperaturen. So um die 8 Grad Celsius mögen es sein, plus immerhin, Haha! Aber da sich der altehrwürdige Nürburgring heute in Nieselregen und Nebel mit Sichtweiten um die 100 Meter gehüllt hat, ist es für die wenigen, die es schon auf das Gelände geschafft haben, doch äußerst ungemütlich. Vor allem, weil die Sturmböen, die hier über das Gelände peitschen, es fast unmöglich machen, Zelte oder Pavillons aufzubauen, in denen man sich vor dem nasskalten Wetter schützen könnte.

Ein paar Unentwegte versuchen es dennoch. Und jetzt scheinen hier, auf der Wiese in der Nähe  meiner Sprecherkabine drei tapfere Mitglieder des Teams aus Leipzig und Halle an der Saale, des Hallzig Express, es tatsächlich geschafft zu haben, einem eher schlichten Pavillonmodell mit einer gewagten Seilkonstruktion zu immerhin vorläufiger Standfestigkeit zu verhelfen. Aber das war ein harter Kampf, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, und ich kann nur schemenhaft erkennen, dass sie wohl jetzt windzerzaust und tropfnass dastehen. Die Hände tief in die Jackentaschen gesteckt, sehen sich um und scheinen sich zu fragen, wo denn die anderen bleiben.

Ja, wo bleiben sie denn? Die Teamkameraden vom Hallzig Express? Und das mit Spannung, aber auch einiger Skepsis erwartete Covadonga Racing Team? Weiterlesen

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