Tag 1, Kilometer 10: Der Startschuss

Am Warschauer Zoo: die Bären und der Lastesel (liebevoll „Legohr“ genannt, in Anlehnung an den DDR-Jugendbuchklassiker „Streit um Legohr“, eine Geschichte rund um die „Kleine Friedensfahrt“ der Klassen 4a und 4b im fiktiven Dorf Winkeln - und um einen Esel gleichen Namens).

[…] Der Start zur großen Friedensfahrt, das war der ganz große Bombast vor ­vollbesetzten Rängen. Irgendwo zwischen Spartakiade-Ouvertüre und einer Militärparade ohne Panzer. Die Eröffnungsfeier 1952. Sechzigtausend im Armeestadion. Ministerpräsident Josef Cyrankiewicz lässt sich als Ehrengast beklatschen. Die eigentlichen Protagonisten der kommenden zwei Wochen machen vorerst brav Männchen. Aufgestellt in Riegenformation auf dem Rasenkarree. Schon zwei Tage zuvor hat, so Klimanschewsky, der legendäre Marschall Konstantin Konstantinowitsch Rokossowski, »heldenhafter Verteidiger von Stalingrad« und »Lehrmeister der polnischen Armee«, die versammelten Mannschaften willkommen geheißen. Als radelnde Bannerträger »des Friedenslagers, an dessen Spitze die unbesiegbare Sowjetunion steht«. Weiterlesen

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Du darfst

Im Mai 1948 fand sie statt, die erste Internationale Fernfahrt für den Frieden, und wer sich einmal mit der Gründungsgeschichte befasst, die der Debütausgabe vorausging – und durch ein Tagebuch des beteiligten Prager Zeitungsmanns Karel Tocl hautnah dokumentiert ist –, muss zu dem Schluss kommen: Wenn die Vorbereitung des neuen Rennens ein Musterbeispiel real sich entwickelnder Planwirtschaft in Volkspolen und ČSR darstellte, dann in einer ziemlich kölschen Variante. Weiterlesen

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Ein Wessi auf Friedensfahrt? Wieso, weshalb, warum …

Dezember 2010. Vielleicht erinnert sich noch jemand? Schon seit Wochen Dauernachschub an unsäglichen Schneemengen, Glatteis allerorten, galoppierender kommunaler Streusalzmangel. Doch dann, endlich: ein Tag Tauwetter. Also wurde gleich die Thermo-Montur übergestreift und das Rennrad aus dem Keller geholt … Nur, um dann ein handfestes Debakel zu erleben. Die „Form“ ist völlig im Eimer, die Laune spätestens nach einem Sturz in einem See aus Eiswasser ebenfalls. Aber dann kommt es zu einer folgenschweren Begegnung:

[…] Um warm zu werden, gebe ich meinen Beinen richtig Auslauf und die Sporen, sobald ich wieder eine breite Chaussee unter den Reifen habe. Und auch weil vom Horizont ein anderer, tief über seinen Boliden gebeugter Velofahrer herannaht. Alte Rennfahrerregel: Im Windschatten sparst du bis zu dreißig Prozent an Energie, aber im Angesicht von Konkurrenz bist du bereit, bis zu dreißig Prozent mehr zu verpulvern. Weiterlesen

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