Corsa Rosa – Das Zitat des Tages zum Giro d’Italia

Der Fan als Ar***loch, Folge 1713. Beim aktuellen Giro leisteten sich Zuschauer am Streckenrand schon mehrfach Ungeheuerliches. Hier ein Selfie mit dem Gestürzten (http://iconosquare.com/p/718934362188652655_3036255#/detail/718934362188652655_3036255); dort Carusos Helm, der auf Nimmerwiedersehen verschwindet, während der Katusha-Profi in den Krankenwagen geschoben wird (https://twitter.com/1507mm/status/467054259453034496/photo/1).

Selfie

Caruso

Rennfahrer, die von Fans genervt waren, mochte es auch in der Ära eines Gino Bartali schon gegeben haben. Ein Mindestmaß an Respekt war nicht nur ihm dereinst aber noch gewiss…

 

„Es ist Mittag, und der Champion schläft noch. Wieso ist er so müde, gerade er, der Anstrengung braucht, um sich wohlzufühlen? Alle anderen spazieren in Salerno herum, heute ist zum Glück die Sonne herausgekommen, schon sitzen sie an Tischen unter überwucherten Lauben, während die Straßenmusiker ihnen kostenlos ihre größten Klassiker widmen. Hat ihn vielleicht die gestrige Etappe erschöpft? Nein, nein, antworten etwas rätselhaft die Männer seines kleinen Hofstaats im Hotelfoyer. Nicht, dass er im wörtlichen Sinne schlafe. Nein, er sei wach, sagen sie, er bleibe nur im Bett, er habe keine Lust aufzustehen, das sei alles, er wolle auch im Bett essen.

Im Erdgeschoss des Hotels sitzen zwei Fahrerteams fröhlich bei Tisch. Er nicht. Ein Kellner des Vertrauens oder sogar, der Vorsicht wegen, sein persönlicher Masseur betritt verstohlen das Zimmer, mit einem Essenstablett in der Hand. Durch den Hoteleingang haben die Augen der Fans dank der wunderbaren Scharfsichtigkeit, die sie auszeichnet, das Glänzen der Suppenschüssel und der Teller auf ihrem Weg durch das Foyer erhascht. Das Essen für Bartali! Und ein Schauer erfasst und belebt die kleine Menge, die seit den frühen Morgenstunden ausharrt. Schnell wird die großartige Nachricht verbreitet.“

 

Aus: „Beim Giro d’Italia“ von Dino Buzzati (Covadonga Verlag, 2014)

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