Rund um Warschau: Impressionen von der ersten Etappe

Die Rache der „roten 50“: Im tiefen, finsteren Schlagloch lauerte eine hundsgemeine Schraube, um sich bis zum Anschlag in den Mantel zu bohren. Schon bei Kilometer 60 war der erste Pannenstopp angesagt.

[…] Das Heilbad Otwock, beliebtes Ausflugsziel gestresster Hauptstädter, bringt ein wenig Luftveränderung. Mächtige Kiefern von beträchtlichem Alter, die teils direkt an die Straße rücken. Herrschaftliche Sanatorien, die einst Tuberkulosekranke verwahrten. Die Świder, wie verwunschen in braunem Modder dahindümpelnd. Manch putzig verwachsene Holzvilla. Und ein ganzes Ge­schwader an Senioren vom Stamme Janek-guck-in-die-Luft, die es sich im Abstand von exakt hundertfünfzig Metern auf dem Rumpelpflaster des ge­meinsamen Rad-Fuß-Wegs gemütlich gemacht haben. Und dort der Dinge harren. Oder des nächstbesten Radfahrers, dem sich etwas hinterherrufen lässt. Weiterlesen

Tag 1, Kilometer 10: Der Startschuss

Am Warschauer Zoo: die Bären und der Lastesel (liebevoll „Legohr“ genannt, in Anlehnung an den DDR-Jugendbuchklassiker „Streit um Legohr“, eine Geschichte rund um die „Kleine Friedensfahrt“ der Klassen 4a und 4b im fiktiven Dorf Winkeln - und um einen Esel gleichen Namens).

[…] Der Start zur großen Friedensfahrt, das war der ganz große Bombast vor ­vollbesetzten Rängen. Irgendwo zwischen Spartakiade-Ouvertüre und einer Militärparade ohne Panzer. Die Eröffnungsfeier 1952. Sechzigtausend im Armeestadion. Ministerpräsident Josef Cyrankiewicz lässt sich als Ehrengast beklatschen. Die eigentlichen Protagonisten der kommenden zwei Wochen machen vorerst brav Männchen. Aufgestellt in Riegenformation auf dem Rasenkarree. Schon zwei Tage zuvor hat, so Klimanschewsky, der legendäre Marschall Konstantin Konstantinowitsch Rokossowski, »heldenhafter Verteidiger von Stalingrad« und »Lehrmeister der polnischen Armee«, die versammelten Mannschaften willkommen geheißen. Als radelnde Bannerträger »des Friedenslagers, an dessen Spitze die unbesiegbare Sowjetunion steht«. Weiterlesen